Blond, entführt – gerettet!?

Musikalisches Spektaculum recht frei nach Wolfgang Amadeus Mozart „Die Entführung aus dem Serail“
Bearbeitet und für ZO arrangiert: Sabine Geis

Idee, Motivation, Ziele:

„Ästhetische Herausforderung und pädagogische Verpflichtung“

  1. Musik mit allen Sinnen erleben – Miteinbeziehung von Stimme (Singen, Sprechen) und Körper (Schauspiel, Tanz) – in Verbindung mit klassischer Musik
  2. Kindern, jugendlichen und  erwachsenen Laien im Bereich Zupfmusik die Chance bieten, sich    aktiv mit klassischer Musik auseinander zusetzen
  3. Neben dem Orchesterspiel bieten sich für die Mitwirkenden diverse Möglichkeiten, sich mit dem Sujet zu beschäftigen:
    • Originale Hörbeispiele
    • Besuch einer Inszenierung
    • Beleuchtung historischer Hintergründe
    • Mozart, der Komponist
    • Mozart, der Mensch
    • Interpretation des Librettos: Komödie oder mehr ?
  4. Projektzusammenarbeit JZOH/HZO
  5. Aufführung: ein Familienkonzert, mit Einführung
  6. Motivation für Zuhörer, das Original zu sehen/hören
  7. Zupforchestern Anregung zur Nachahmung, zu neuen Ideen, Weiterentwicklung usw. geben
  8. finanzierbarer Brückenschlag zum Original

Geschichtliches / Auswahlkriterien:

„Die Entführung aus dem Serail“ erscheint am existenziellen Angelpunkt in Mozarts Biographie: 1781/82, während des ersten Wiener Jahres, als er sich nach dem Bruch mit dem Erzbischof als freischaffender Künstler zu bewähren hatte und die Eheschließung mit Konstanze in die Wege leitet – als er sich also in zweifacher Hinsicht vom Vater emanzipierte, der weder die Verbindung mit dieser Frau noch die Quittierung des Dienstes billigte. In dieser entscheidenden Lebensphase komponierte er ein Stück, das sich auf den ersten Blick wie ein Hohelied auf Liebe und Treue ausnimmt, tatsächlich aber das Modell pragmatisch angepassten Verhaltens vorführt.
Die Uraufführung am 16. Juli 1782 im k.k. Nationaltheater nächst der Burg in Wien war, ungeachtet einiger Intrigen, ein sehr großer Erfolg – sicher der größte, den Mozart zu seinen Lebzeiten in Wien erleben konnte. Die Oper wurde erst nach 15 Wiederholungen abgesetzt. Innerhalb von drei Jahren haben zahlreiche Opernhäuser in Europa „Die Entführung aus dem Serail“ in ihren Spielplan aufgenommen, so Prag, Warschau, Bonn, Mainz, Mannheim, Köln, Weimar, Salzburg, Preßburg, Rostock, Riga und andere. Sie ist heute fester Bestandteil im Repertoire aller großen Bühnen der Welt.
Genre: Singspiel, Bühnenstück (Zwischenform zwischen Schauspiel und Oper), bei dem gesprochener Dialog und Gesang wechseln

Die Geschichte von der Entführung aus dem Serail beflügelt in besonderer Weise die Fantasie der Kinder. Sie knüpft an beliebte Märchenthemen aus dem fernen „Morgenland“ an, wie z. B. die Märchen aus 1001 Nacht, Sindbad der Seefahrer usw. Auch wenn es sich bei der „Entführung“ um eine deutsche Oper handelt, spielt sie doch thematisch mit der Fantasie des Fremdländischen. Sie zeigt das Zerrbild einer anderen Kultur, die man zu Mozarts Zeit eigentlich nur aus den Märchen oder der Fantasie kannte.
Die Geschichte lässt sich gut auf eine aufführungstaugliche Länge zusammenfassen.
Die Musik ist mit Zupfinstrumenten gut umsetzbar.

Umsetzung:

Kinderoper funktioniert wie Märchenerzählen – sie braucht Wunder und Geheimnis und Zauber- was sie nicht braucht ist Reflexion

Ingolf Huhn in: Kinderoper ist die eigentliche Oper

Die Rahmenhandlung des Projekts Blond, entführt – gerettet! ist ein einliniges Geschehen, im glatt logischen Hintereinander übersichtlich erzählt.
„Die Grenze (nicht der Moral, sondern des Begreifens) ist die Zweideutigkeit, damit kann ein Kind nichts anfangen“ (Ingolf Huhn in: Kinderoper ist die eigentliche Oper)
Deshalb liegen die Handlungsschwerpunkte nicht – wie im facettenreichen Original – auf einem Beziehungsdrama und der Kompliziertheit der seelischen Vorgänge der einzelnen Charaktere.
Vielmehr konzentriert sich die Aufführung auf eine Entführungsgeschichte orientalischen Flairs mit witzigen/burlesken Szenen und ernsten/dramatischen Momenten in Verbindung mit Fluch/Erlösung, um einen breiten Spannungsbogen zu erhalten.
Der Orient ist, durch die Entführung der Protagonisten, mehr zufällig Schauplatz.
In weiteren Unterschieden zum Original von Mozart spielt das Verhältnis Orient/Okzident nur am Rande eine Rolle. Die Person des Aufsehers Osmin ist nicht reduziert auf den groben, zornigen Orientalen sondern zeigt auch schwache, beinahe liebenswerte Züge. Eine Beziehung der Hauptpersonen Selim- Belmonte – wie im Original – ist für die Geschichte nicht wesentlich.
Um die Aufführungsdauer für Kinder attraktiv zu gestalten, wurde aus der Originalmusik Mozarts eine repräsentative Auswahl getroffen. Die ausgesuchten Arien werden nicht in voller Länge, sondern als Zitate/Ausschnitte erklingen –knapp, informativ und nachvollziehbar.

Gut gemachtes Kindertheater ist natürlich immer auch Elterntheater- deshalb bietet das Konzept
niveauvolle Unterhaltung für alle Altersstufen.

Die „Uraufführung“ des Spektaculums fand am Freitag, 4. Juni 2010 um 10.30 Uhr im Rahmen des Eurofestivals der Zupfmusik in Bruchsal statt. Bereits ab 9:30 Uhr gab es an gleicher Stelle für Pädagogen und Interessierte einen Einführungsvortrag „Kinderoper als Chance“ von der Dirigentin und Initiatorin des Projektes.
Auch eine öffentliche Generalprobe konnte bereits am Mittwochnachmittag besucht werden.
Erfreulicherweise ist es uns gelungen einen erneuten Aufführungstermin zu finden: Am 13. Februar 2011 wird „Blond, entführt – gerettet!“ nochmal gezeigt. Die Vorstellung findet um 16 Uhr in der Frankenhalle in 63906 Erlenbach am Main statt. Eintrittskarten erhalten Sie bei der Stadt Erlenbach und beim Kulturamt Miltenberg.

Sabine Geis
Oktober 2010